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Lebensdaten
Brüggen, Kurt
11.03.1910 Westerland
18.09.1944 Zuchthaus Brandenburg in Görden

Zu seinem Leben
Kurt Brüggen wird als viertes von fünf Kindern der Eheleute Andreas Christian Brüggen und Marie Christine geb. Jacobsen am 11. März 1910 in Westerland geboren.

Nach dem Besuch der Volksschule macht Brüggen eine Ausbildung zum Koch in Hamburg, arbeitet als Kellner und geht dann nach Berlin. 1934 schließt er dort seine erste Ehe, im Februar 1943 heiratet er in 2. Ehe Waltraut geb. Schreiber, das Paar wohnt in Berlin-Schmargendorf und hat eine Tochter.

Wegen eines Herzleidens wird Brüggen nicht zum Militär eingezogen. Er arbeitet als Kellner in der Kantine des Rundfunkgebäudes in Berlin. Unter den Kollegen kursiert ein Spottgedicht über das Regime und den „Führer“. Auf Brüggens Initiative wird das Gedicht auf eine Matrize geschrieben, vervielfältigt und verteilt. *

In der Sprache der Nationalsozialisten wird ein solches Verhalten als „Wehrkraftzersetzung“ bezeichnet, ein Straftatbestand, der die Todesstrafe nach sich zieht.

 

Und so wird am 26. Juni 1944 gegen eine Gruppe von 9 in Berlin lebenden Personen beim Volksgerichtshof in Berlin Anklage erhoben wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“. Am 18. Juli 1944 findet unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Freisler die Hauptverhandlung statt, in der folgendes Urteil ergeht: ** „Kurt Brüggen hat im Sommer des vierten Kriegsjahres ein einzigartiges gemeines Hetzmachwerk gegen unseren Führer im Rundfunkdienstgebäude vervielfältigen lassen. Otto Hemmerling hat auf Brügges Wunsch dazu die Wachsplatte geschrieben. Max Knop hat die Hälfte der vervielfältigten Stücke an sich genommen, und eines etwa eine Woche darauf in einer Gastwirtschaft Gäste lesen lassen und einer Bekannten, Frau Neuland, weitergegeben. Sie haben damit unserem Glauben an den Führer, die Grundlage unseres Sieges, angegriffen. Dadurch sind Sie für immer ehrlos geworden. Sie werden mit dem Tode bestraft.“

Kurt Brüggen wird in das Zuchthaus Brandenburg-Görden überstellt, das seit 1940 neben dem Strafgefängnis Plötzensee eine zentrale Hinrichtungsstelle war.

Die Zugangsliste des Zuchthauses Brandenburg–Görden verzeichnet für den 21. Juli 1944 die Einlieferung des Kellners Kurt Brüggen aus der Haftanstalt Moabit in Berlin. Im August wird ein Gnadengesuch eingereicht, das jedoch verworfen wird. Besuchsanträge, die Brüggens Ehefrau und Schwester stellen, werden abgelehnt.
Sein Tod ist am 18. September 1944 verzeichnet. Brüggen wird mit dem Fallbeil hingerichtet. Im Vollstreckungsbericht wird sein Auftreten als „ruhig und gefaßt“ beschrieben. „Die Vollstreckung dauerte von der Vorführung bis zur Vollzugsmeldung 8 Sekunden. ***

Kurz Brüggen (2. v. l.) mit Brüdern

Inschrift I
HIER WOHNTE
KURT BRÜGGEN
JG. 1910
VERHAFTET
ERMORDET 1944 IM
ZUCHTHAUS
BRANDENBURG-GÖRDEN

Adresse
Kjeirstr. 12
25980 Sylt/Westerland

* Bundesarchiv, R 3017/64
** Urteil des Volksgerichtshof vom 17. Juli 1944, Az. 4 J 77/44 (Kopie im Sylter Archiv), Fehler in der Schreibweise der Namen wurden vom Original übernommen
*** Bundesarchiv, R 3017/28307