Die Gleichstellungsbeauftragte informiert:
Kommunale Gleichstellungsarbeit stärkt Demokratie und Zusammenhalt
29. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands in Lübeck erfolgreich zu Ende gegangen. Zu Gast Aminata Touré, Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung in Schleswig-Holstein.
Große feministische Demo in Lübeck
– Mit Trillerpfeifen gegen Männergewalt
– Mit starken Sprüche für die Notwendigkeit von Feminismus
– Mit guten Argumenten gegen die Benachteiligung von Mädchen und Frauen
– Lübecker Erklärung gegen Antifeminismus
540 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte und Unterstützer*innen haben heute ihre Empörung über Angriffe auf Gleichstellung und fehlende Geschlechtergerechtigkeit, Gewalt gegen Frauen, Sexismus und jede Form der Benachteiligung von Mädchen und Frauen lautstark vor das Holstentor in Lübeck gebracht. „Wir sind wütend!“, so die Botschaft der Demonstrantinnen.
Der zunehmende Antifeminismus ist ein gefährliches Problem für die Gleichstellung und in Folge auch für die Demokratie. Zwei Tage lang beschäftigten sich mehr als 500 kommunale Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland mit diesem Thema und weiteren zentralen Herausforderungen der Gleichstellungsarbeit.
Andrea Dunker Gleichstellungsbeauftragte der Inselverwaltung Sylt, hat an der Bundeskonferenz teilgenommen: „Antifeminismus ist kein Randphänomen und zieht sich quer durch alle Bereiche der Gesellschaft.“
Ziel des Antifeminismus ist es, Frauenrechte zu beschneiden und tradierte Rollenbilder wieder aufleben zu lassen. Frauen werden diffamiert, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Frauen in der Öffentlichkeit angegriffen, Lehrinhalte von Schulen und Universitäten bekämpft oder die Pflicht zur Bestellung kommunaler Gleichstellungsbeauftragter infrage gestellt.
Antifeminismus bedroht die Grundsätze unserer Verfassung, heißt es in der Lübecker Erklärung, die im Rahmen der Bundeskonferenz veröffentlicht wurde. Darin wird unter anderem eine Kampagne gegen Frauenverachtung und geschlechtsspezifische Gewalt gefordert, gezielte Kinder- und Jugendarbeit zur Stärkung eines diskriminierungsfreien Zusammenlebens sowie eine konsequente Bekämpfung jeglicher Form von Antifeminismus.
„Das ist wichtig, weil ich als kommunale Gleichstellungsbeauftragte vor Ort erlebe, wie frauenfeindliche Einstellungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen und Menschen einschüchtern“, sagt Andrea Dunker.
Mit der Lübecker Erklärung und der Verabschiedung von mehr als 30 Anträgen richteten die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten klare Forderungen an die Politik, unter anderem:
• Nationaler Aktionsplan gegen Antifeminismus
Die Bundesregierung soll unverzüglich einen Nationalen Aktionsplan gegen Antifeminismus auflegen, um strategisch gegen jegliche Form von Antifeminismus vorzugehen. Ziel ist es, antifeministische Tendenzen als Gefahr für die Demokratie ernst zu nehmen, Betroffene zu schützen, Aufklärung zu fördern und demokratische Errungenschaften zu sichern. Die Maßnahmen sollen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft entwickelt werden und zentrale Bereiche wie Bildung, Politik, Forschung, Justiz und Polizei einbeziehen. Mit diesem Antrag schließen wir uns den Forderungen des Deutschen Frauenrates an.
• Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen
Angesichts der hohen Zahlen geschlechtsspezifischer Gewalt braucht es endlich die konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Gewalthilfegesetzes sowie inklusive, flächendeckende Präventionskampagnen ab dem Kindergartenalter.
• Unterstützung von Alleinerziehenden
Gefordert wird ein Gesetzespaket zur existenziellen Unterstützung von Alleinerziehenden und zum Abbau struktureller Benachteiligungen, etwa im Steuerrecht. Die geplante Streichung des Unterhaltsvorschusses ab dem 12. Lebensjahr darf nicht umgesetzt werden. Sie würde die Armut von Alleinerziehenden und ihren Kindern weiter verschärfen. Alleinerziehende sind überwiegend Frauen.
• Sichere und gesunde Geburten
Die Bundeskonferenz fordert einstimmig die Sicherung einer flächendeckenden Geburtshilfe, Nachbesserungen des Hebammenhilfevertrags, die Stärkung von Beleghebammen und die Schließung bestehender Versorgungslücken. Immer weniger Geburtskliniken führen zu längeren Wegen für Schwangere, gleichzeitig verlassen Hebammen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen den Beruf. Frauen und Kinder haben ein Recht auf eine gute, sichere und gesunde Geburt.
• Größere Unterstützung von Eltern und mehr Steuergerechtigkeit
Die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten fordern eine Erhöhung des Elterngeldes, damit Gleichberechtigung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich gelebt werden können. Dafür braucht es eine Novellierung des Elterngeld- und Elternzeitgesetzes sowie eine eigenständige bezahlte Freistellung für den zweiten Elternteil unmittelbar nach der Geburt. Zudem wurde erneut die Abschaffung des Ehegattensplittings gefordert.
• Entscheidungsrecht über den eigenen Körper
Die Streichung des § 218 StGB zum Schwangerschaftsabbruch ist eine langjährige Forderung der Bundeskonferenz und wurde erneut einstimmig beschlossen. Schwangerschaftsabbrüche müssen endlich legalisiert und betroffene Frauen entkriminalisiert werden.
„Alle diese Themen brauchen Antworten und schnelles politisches Handeln, damit Gleichstellung auch vor Ort wirksam umgesetzt werden kann“, so Andrea Dunker.
Fotos: BAG/Susanne Hübner
Historie der Veranstaltungen und Hinweise:
Sicherheitstraining für Frauen mit Branko Bersa am 14.03.2026
Am Samstag, den 14.03.2026, bietet Branko Bersa von 10-14 Uhr in der Turnhalle der Boy-Lornsen-Schule in Tinnum erneut sein beliebtes Sicherheitstraining für Frauen an.
Das praxisnahe Training richtet sich an Frauen im Alter von 16 bis 86 Jahren und vermittelt wertvolle Fähigkeiten für mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit im Alltag.
Neben einem kompakten Überblick über die rechtlichen Aspekte der Selbstverteidigung werden wirkungsvolle Strategien aufgezeigt, um herausfordernde oder unangenehme Situationen frühzeitig zu erkennen und souverän zu meistern. Die Teilnehmerinnen lernen, ihre Stimme gezielt einzusetzen, klare Grenzen zu setzen und ihren Körper bewusst und selbstsicher zu nutzen.
Kursdetails: 14.03.2026 von 10-14 Uhr
Gruppengröße: maximal 12 Teilnehmerinnen
Eigenanteil: 25,00 €
Anmeldungen sind ab sofort telefonisch unter 04651-851180 oder per E-Mail an andrea.dunker@gemeinde-sylt.de möglich.
Equal Pay Day am 27.02.2026
Auch in diesem Jahr machten die Gleichstellungsbeauftragten im nördlichen Nordfriesland mit Andrea Dunker (Gemeinde Sylt), Christine Friedrichsen (Amt Mittleres Nordfriesland), Sylke von Kamlah (Amt Südtondern) gemeinsam mit dem Kreisverband des SOVD Johanna Voigt und Renate Schramm vom Ortsverband Niebüll auf die Lohnlücke aufmerksam.
In diesem Jahr ist der Equal Pay Day am 27. Februar. Die Lohnlücke – der Gender Pay Gap – liegt noch immer bei 16 Prozent.
Es ist ein symbolisches Datum, an dem aufgezeigt wird, bis zu welchem Datum eines jeden Jahres Frauen im Vergleich zu Männern rechnerisch unbezahlt arbeiten – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern auch 2026 noch Bestand hat.
In diesem Jahr richtet sich der Fokus der jährlichen Kampagne auf die bestehende Lohnlücke in ihrer Historie und im Hinblick auf Rollenbilder – Rollenzuschreibungen.
Eine Problematik der ungleichen Bezahlung liegt häufig in der Berufsbiografie und nach wie vor im unterschiedlichen Rollenklischee von Frauen und Männern, das bereits in frühester Jugend geprägt wird und sich auf die spätere Berufswahl, Arbeitszeitmodelle auswirkt und tradierte Rollenbilder übernimmt.
Gemeinsam stehen Alle für mehr Gleichberechtigung, Transparenz und eine Stärkung der Frauen, um den Gender Pay Gap und die Klischees – Rollenbilder im Fokus zu behalten und abzubauen. Sichtbares Zeichen ist auch die rote Equal pay day Fahne, die vor den jeweiligen Rathäusern gehisst wurde.
14. Februar 2026
Gleichstellung trifft Herzklopfen: Lesung mit Anja Goerz am Valentinstag in der Sylt Bibliothek
Was haben Liebe und Dating mit Gleichstellung zu tun?
Was auf den ersten Blick leicht und verspielt klingt, berührt bei genauerem Hinsehen zentrale gesellschaftliche Fragen.
Am Valentinstag lädt die Gleichstellungsbeauftragte Andrea Dunker, in Kooperation mit der Sylt Bibliothek, zu einer besonderen Lesung ein: Die Moderatorin und Autorin Anja Goerz liest aus ihrem Buch „Dessous, Dorsch und Desaster – Dating 50+“.
Dating ist längst kein exklusives Thema der Jugend mehr – und schon gar keine reine Privatangelegenheit. Gerade für Frauen ab 50 zeigt sich, wie sehr gesellschaftliche Erwartungen, Rollenbilder und Altersstereotype auch heute noch wirken. Wer sich in der zweiten Lebenshälfte auf Partnersuche begibt, braucht Mut, Humor und Selbstbewusstsein.
Mit viel Charme, Offenheit und einer großen Portion Ironie erzählt Anja Goerz von Tinder-Fallen, Hoffnungsschimmern und der Lust, sich trotz aller Widerstände nicht vom Dating zu verabschieden. Dabei wird gelacht – aber auch erkannt, wie wichtig Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und gleiche Chancen in allen Lebensphasen sind.
„Gleichstellung hört nicht bei Ausbildung, Beruf oder Familie auf“, so die Veranstalterin. „Sie betrifft auch Nähe, Beziehungen und die Freiheit, sich immer wieder neu entscheiden zu können – unabhängig vom Alter.“
Der Valentinstag bietet dafür den idealen Rahmen: Statt kitschiger Klischees geht es um echte Geschichten, ehrliche Erfahrungen und die Frage, wie Liebe und Partnerschaft jenseits normierter Erwartungen aussehen können.
Die Lesung richtet sich an alle, die schon einmal durch die Dating-Hölle gegangen sind, die neugierig sind – oder die einfach einen unterhaltsamen, klugen und lustigen Abend verbringen möchten – egal ob Single oder Paar, jung oder alt!
Termin: Freitag, 14. Februar 2026, 19.00 – 20.30 Uhr
Ort: Sylt Bibliothek, Stephanstraße 6b, Westerland
Lesung: Anja Goerz – „Dessous, Dorsch und Desaster – “
Eintritt frei
Vertreter und Vertreterinnen der Presse sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen, Eindrücke zu sammeln und über das Beteiligungsformat zu berichten. Die Veranstaltung eröffnet vielfältige Einblicke in die Bedeutung von Mobilität als Gleichstellungs- und Teilhabefrage sowie in die aktuellen Herausforderungen und Erwartungen rund um den öffentlichen Busverkehr auf Sylt.
20. Januar 2026
Die Gleichstellungsbeauftragte lädt ein: Mobilität verbindet! Ein Beteiligungsformat zum Thema ÖPNV-Bus – gleichgestellt unterwegs!
Unter dem Motto „ÖPNV Bus – gemeinsam besser unterwegs“ erhalten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen zum Busverkehr auf der Insel einzubringen.
Im Mittelpunkt steht dabei ausdrücklich die Frage, wie der öffentliche Busverkehr für alle gut nutzbar, sicher und verlässlich gestaltet werden kann — beispielsweise für die Schülerschaft, Berufstätige, Seniorinnen und Senioren, Gäste, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Menschen mit unterschiedlichem Einkommen.
Diesen Fragen widmet sich eine moderierte Beteiligungsveranstaltung, zu der die Gleichstellungsbeauftragte der Inselverwaltung herzlich einlädt. Ziel der Veranstaltung ist es, die vielfältigen Perspektiven der Nutzerinnen und Nutzer zu erkennen, wertzuschätzen und in einen konstruktiven Austausch einzubringen. Der öffentliche Busverkehr wird dabei als zentraler Baustein für Gleichstellung, Teilhabe und selbstbestimmte Mobilität verstanden.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Fragen:
- Was funktioniert gut im aktuellen Busverkehr auf Sylt?
- Wo bestehen Hürden oder Benachteiligungen im Alltag?
- Welche Bedarfe haben die unterschiedlichen Gruppen der Nutzerinnen und Nutzer?
- Welche Wünsche und Erwartungen gibt es an einen zukunftsfähigen, gerechten und inklusiven öffentlichen Busverkehr auf Sylt?
Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an alle Menschen, die den öffentlichen Bus auf Sylt nutzen, ebenso wie an kommunalpolitisch Verantwortliche, Fachakteurinnen und Fachakteure sowie an alle Interessierte. Der moderierte Austausch bietet die Möglichkeit, eigene Erfahrungen sichtbar zu machen und aktiv an der Weiterentwicklung des Busverkehrs mitzuwirken. Die Ergebnisse der Veranstaltung werden im Nachgang der Sylter Verkehrsgesellschaft sowie den politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zur Verfügung gestellt und sollen Impulse für eine bedarfsgerechte und gleichstellungsorientierte Weiterentwicklung des ÖPNV geben.
Termin: Donnerstag, 29. Januar 2026
Uhrzeit: 17:00 – 19:30 Uhr
Ort: Forum des Schulzentrums Sylt
Moderation: Dr. Claudia Bielfeldt
Hinweis: Aufgrund einer kurzfristigen Verlegung der Gemeindevertretersitzung der Gemeinde Sylt kommt es zu einer terminlichen Überschneidung. Die Veranstalterinnen bedauern dies, halten jedoch bewusst an dem Termin fest, um die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen.
Veranstaltet wird das Beteiligungsformat von der Gleichstellungsbeauftragten der Inselverwaltung Sylt, Andrea Dunker, in Kooperation mit dem Netzwerk kommunalpolitisch aktiver Frauen auf Sylt.
Die Veranstalterinnen freuen sich auf eine rege Beteiligung und einen lebendigen Dialog.